Hersteller von Türen, Fenstern, Beschlägen oder Leuchten haben bereits Lösungen, die die Anforderungen von Architekten und Interieur Designern berücksichtigen: Türzargen können putzbündig verbaut werden, Spots integrieren sich ohne sichtbaren Materialübergang formal in die Decke.

In der Elektroinstallation jedoch fehlte bisher ein Konzept, das eine konsequent flächenbündige Montage in Serie ermöglicht. Das Unternehmen Jung nahm diese Herausforderung an und präsentierte auf der Light+ Building im März 2016 erstmals sein Schalterdesign LS ZERO. Ziel bei der Entwicklung war es, ein Design zu schaffen, das basierend auf dem bewährten LS 990 Flächenschalter mit schmalem Rahmen putzbündig in die Wand „eintaucht“. Die Lösung sollte zudem auf Möbel übertragbar sein, um die Umsetzung auch speziell für Küchen und Bäder fortführen zu können. Ebenso wichtig wie die formalen und funktionalen Aspekte war es, ein leicht verständliches und auf Standards aufsetzendes Installationskonzept zu entwickeln. Entscheidend war, das Verständnis und das Wissen um die Arbeitsweisen anderer Gewerke zu erlangen und dies entsprechend für die Gestaltung von LS ZERO zu berücksichtigen. Dabei wurden internationale Installationsstandards und -gewohnheiten berücksichtigt, um etwa die Montage auf die unterschiedlichen Gerätedosen sicherzustellen. Der Entwicklung von LS ZERO ging eine umfangreiche Marktrecherche voraus. Dazu wurden zum einen die Lösungen verschiedener Marktbegleiter in der Installationsumgebung analysiert und bewertet. Zum anderen wurden in einer breit angelegten Befragung Architekten, Planer und Interieur Designer interviewt sowie Elektroinstallateure, Maler/Stuckateure und Verputzer als Vertreter der beteiligten Gewerke.
Eine große Aufgabe stellte in dieser Phase der Übergang vom Designrahmen zur Wand dar. Denn die übliche Elektroinstallation weist nach dem Entfernen des Putzdeckels eine undefinierte Kante auf, die nur durch einen breiten Rahmen abgedeckt werden kann. In einer zweiten Befragung wurden die Konzeptideen bewertet, sodass sich schließlich ein von allen Befragten favorisierter Ansatz festigte. Basierend auf dem Schalterdesign LS 990 sah dieses Konzept einen Einputzadapter vor, der in der Kombination mit den unterschiedlichen länderspezifischen Gerätedosen in die Putzschicht eingebracht werden konnte und mit den verschiedenen Putzmaterialien eine stoffschlüssige Verbindung eingehen sollte. Für die Installation im Trockenbau hielt die erste Beplankungsebene den notwendigen Platz bereit, und für die Umsetzung im Möbeleinbau konnte die entsprechende Kontur durch mechanische Bearbeitung eingebracht werden. Um einen optisch nahtlosen Übergang und ein gleichmäßiges Spaltmaß zu gewährleisten, sollte die innere Kante des Einputzadapters den Abschluss zum Schalter(rahmen) bilden.
Nachdem die Werkstoffe zum Verputzen und Verspachteln bei Mauerwerk und Trockenbau definiert worden waren, begann die Recherche nach dem geeigneten Material für den neu zu konstruierenden Einputzadapter. Dazu befragte Jung Experten zum Thema „Werkstoffe“ zu spezifischen Eigenschaften, Verarbeitungsmöglichkeiten etc. Die einzelnen Materialien durchliefen diverse Testreihen, um danach gegebenenfalls in die engere Auswahl genommen zu werden. Ziel war ein Werkstoff, der sowohl im Trockenbau wie im Mauerwerk funktionierte, um den logistischen Aufwand für Planer und Installateur bei der Bestellung und vor Ort auf der Baustelle so gering wie möglich zu halten. Schnell wurde deutlich, dass die getesteten Kunststoffe keine ausreichende Verbindung zu den Putz- und Spachtelmaterialien eingehen konnten und so die innere Kante des Einputzadapters in der verputzten Wand sichtbar blieb. Auch die Formstabilität bewertete das Jung Projektteam als unzureichend. Nach weiteren, umfassenden Materialrecherchen fand sich schließlich ein keramischer Werkstoff, der alle notwendigen Verbindungseigenschaften mitbrachte und sich „wie aus einem Guss“ in die Wand einbauen ließ. Letztlich wurde eine Kombination aus Keramik und Kunststoff gewählt.