Schon im Frühjahr 2016 formulierten COR-Inhaber Leo Lübke und Uwe Fischer  die Prämissen für ein experimentelles Kollaborationsprojekt mit dem programmatischen Titel COR Lab. Zunächst wurden geeignete junge Studios – Designerinnen und Designer – ermittelt, um in ihrem eigenen, gleichzeitig COR-affinen Designverständnis neue Möbel für zeitgenössische Arbeits- und Wohnwelten zu gestalten.

Das Briefing umfasste Entwürfe für einen Tisch mit Bank, ein Raumteilersystem, ein Sofa, Sitzhocker und diverse Beistellmöbel. Mit der Werkstattidee als interdisziplinärem Ansatz, der die Stärken erfahrener und junger Gestalter in einem Kollaborationsmodell bündelt, geht die Sitzmöbelmanufaktur neue Wege in der Entwicklung komfortabler Möbel für wohnlich wirkende Zonen, in denen Menschen kommunizieren, arbeiten oder sich einfach nur entspannen können.

Ideenwerkstatt vernetzt Stärken der Designer

Erstmals wurde für ein Innovationsprojekt von der Polstermöbelschmiede ein Team aus erfahrenen und jungen Designern gebildet, die Auswahl übernahm Uwe Fischer. „Als bewährter Kooperationspartner im Objektbereich ist er mit eigenen Entwürfen vertreten, engagiert sich in unserem Labor aber auch als Mentor und Moderator“, berichtet Leo Lübke. Vier Designteams nahmen die Arbeit auf: das Büro Uwe Fischer und als neu gewonnene Arbeitspartner die Studios Aust & Amelung, Relvãokellermann und Pauline Deltour.

Ihr Arbeitsbesuch in der Manufaktur und das Vertrautwerden mit den Experten in der Entwicklungsabteilung habe sie sehr beeindruckt, berichten die jungen Kreativteams, zu denen mit Miriam Aust, Pauline Deltour und Ana Relvão fast programmatisch drei Designerinnen gehören. Lübke: „Für sie wie natürlich auch für Sebastian Amelung und Gerhardt Kellermann gilt, dass jeder eine eigene Sprache und Haltung hat. Diese individuellen Talente in einer Ideenwerkstatt zu vereinigen, war Teil des Experimentes, das Ergebnis ist mehr als gelungen.

Kollaborationsprinzip: Methode und Ergebnis sind eins

Gebrieft von Uwe Fischer, haben die Kreativteams unabhängig voneinander die neuen Möbelmodelle entwickelt. Level und Bridge (Bank und Tisch), das Raumteilersystem Chart, die Peripheriemöbel Bond, das Sofa Floater und die Hockerelemente Drop sind innovative Einzelentwürfe, die für sich stehen.

Bei der gemeinsamen Präsentation in der Entwicklungsabteilung des Herstellers kristallisierte sich dann schnell das Potential heraus, die Möbel auch als kompatibles Ensemble im Sinne einer Kollektion zu positionieren. Dazu Leo Lübke: „Das Experiment COR Lab basiert auf einer kollaborativen Plattform, in der junge und erfahrene Gestalter vereint mit uns arbeiten, entwickeln und kommunizieren. Diese Arbeitsmethode und das erzielte Ergebnis – Möblierungskonzepte für kollaborative Zonen im privaten oder öffentlichen Raum – entsprechen sich.“

Ein Sofa mit vielen Möglichkeiten

Entdecke seine Möglichkeiten: So möchte Pauline Deltour ihren Sofaentwurf Floater, für den sie eine Basis (Unterkonstruktion) mit einer Außenschale, verschiedenen Polsterinlays und eingeschobenen Boxen kombiniert, auf Anhieb verstanden wissen. Nichts davon wird kaschiert, alle formalen Elemente und deren spezifische Funktionen werden sichtbar gemacht.

Gemäß der beabsichtigten Wirkung als Teaser im Raum werden kontrastierende Farben und Materialien, Hölzer und Stoffe eingesetzt. Das lebhaft gestaltete Gesamtkonzept signalisiert die verschiedensten Funktionen wie Sitzen, Kommunizieren, Arbeiten und Aufbewahren. „Als variabel konfigurierbare Worklounge mit frischer Optik und Haptik lädt Floater zur komfortablen Nutzung ein“, sagt Pauline Deltour. Seine klare Formensprache steht für Modernität, die sorgfältig von Hand verarbeiteten Materialien vermitteln Wohnlichkeit und Intimität.

Modulares Sitzmöbel zum Entspannen und Arbeiten

Aus Floater lassen sich Einzelsessel und Zwei- oder Dreisitzer-Sofas mit zwei verschiedenen Rückenhöhen errichten. Dabei wird die leicht gepolsterte Außenschale innen jeweils mit üppigeren Sitz-, Seiten- und Rückenkissen bestückt. Dann kommen die Boxen, kleine Arbeitsplatten und Einschübe ins Spiel, um diverse Utensilien sowie Kabel und Stromanschlüsse aufzunehmen.

Der modular bestückbare Möbelkörper ruht auf einem stabilen Rahmen mit Federholzleisten. „Bis hin zu den Sichtblenden – sinnliche Materialien, auch das Naturmaterial Holz, verleihen dem Workspace einen privaten Charakter“, betont die Gestalterin. 

Als nützliches Tool ist der stapelbare Hocker ein praktischer Helfer, fristet aber meist ein Schattendasein. Wenn sein Entwurf aber von Pauline Deltour stammt, erscheint er überraschend charmant und wird zum Vorzeigeobjekt. Drop, für den gebogene Stahlrohrradien als Rahmen dienen, ist mit einem gepolsterten Kern ausgestattet. Der kleine Alleskönner wird in einer Höhe von 47 Zentimetern angeboten, übernimmt je nach Bedarf diverse Funktionen.

Ein Hocker als Ablage, zum Sitzen und Türme bauen

Mobil machen ihn Gleiter oder Rollen und ein relativ niedriges Gesamtgewicht. Kleinere Ausführungen mit 36 Zentimeter Durchmesser sind als Solo-Sitzer gedacht. Deren größere Geschwister, Poufs mit einem Durchmesser von 79 Zentimeter, können von mehreren Personen besetzt werden, ebenso dienen sie als niedriger Tisch.

Nutzt man seine Stapelfunktion, lassen sich kleine Türme aus bis zu sechs Elementen aufbauen, ähnlich einer Säule oder Skulptur. (Meist wirken solche Gebilde eher als Notlösung, die man am liebsten in die Ecke verbannt und dann hofft, dass sie stabil bleibt).

Die Konstruktion der Drop-Elemente dagegen ist ebenso ästhetisch wie funktional, denn die Abmessungen der Stahlrohrrahmen nehmen jedes additive Element auch beim Turmbauen passgenau auf. Harte und weiche Komponenten, Stahl und Polster, monochrome oder bunte Farben: Alles soll sich zu Kaleidoskop-ähnlichen Bildern verbinden.

Mobile Tischchen für Laptop und Kaffee 

Einen mobilen, funktionalen Trolley im Sinn, hat das Designerduo Aust & Amelung mit Bond gleich eine ganze Familie filigraner Peripheriemöbel entwickelt. „Die Formensprache von Bond ist grafisch und erinnert in ihrer Linienführung an schlichte Icons“, sagt Miriam Aust, die mit ihrem Lebens- und Arbeitspartner Sebastian Amelung seit sechs Jahren das gemeinsame Designstudio in Kassel führt.

„Unter funktionalen Aspekten hat uns die Idee eines fahrbaren Trolleys inspiriert.“ Unter diesen Vorzeichen haben sie einen rollbaren Servicewagen, einen höhenverstellbaren Einzelarbeitstisch, einen runden zierlichen Beistelltisch und einen tieferen Coffeetable entworfen. Mit ihrem Entwurf übertragen die Gestalter den Trolley als nützliches Tool aus der Welt des Reisens in die Welt des Wohnens und Arbeitens: „Mobilität prägt den Zeitgeist, wir entscheiden heute flexibel, wo wir sitzen, kommunizieren, arbeiten oder zusammenkommen“, ergänzt Sebastian Amelung.

Filigranes Stahlrohr ist Bindeglied der Peripheriemöbel

Alle vier Einzelmöbel basieren auf filigranen Stahlrohrkonstruktionen mit Griffen, Rollen oder festen Standbeinen, wobei die Unterkonstruktionen die antennenähnlichen Griffe formal aufnehmen. Je nach Funktion des Möbels wird dann ein Tablett, eine Arbeitsfläche oder eine Tischplatte (Kreis und Oval) dem konstruktiven Grundgerüst eingepasst. Ausgeführt werden diese additiven Elemente als fein verarbeitete MDF-Platten, lackiert oder furniert.

Ledereinlagen, Flaschenablagen oder Inneneinteilungen kommen hinzu, die farbliche Gestaltung erlaubt jede Individualisierung nach RAL- oder Sonderfarben. „Weniger ist mehr, gestalterisch aber die größte Herausforderung“, so charakterisieren die Gestalter ihren Gesamtansatz, der sie auf Anhieb für die Designphilosophie des Herstellers begeistert hat.

Raumteiler mit vielen Funktionen

Wir leben und arbeiten mobil, zu flexiblen Zeiten und an flexiblen Orten, im Team oder allein, im Unternehmen oder zuhause. In der Entwicklung eines Raumteilers, der solche Funktionszonen gestaltet und dabei das Bedürfnis nach Privatheit berücksichtigt, haben Ana Relvão und Gerhardt Kellermann mit Chart (engl. Grafik/Schaubild) eine multifunktionale, sehr ästhetische Lösung gefunden.

„Chart ist weder eine Wand, noch ein Regal, noch ein Raumtrenner“, führt Ana Relvão aus. „Es hält sich im Hintergrund“, ergänzt Gerhardt Kellermann, „funktioniert dabei wie eine Kulisse für eine vielfältige und situative Nutzung.“ Unter Planungsaspekten betrachtet, haben die beiden ein individualisierbares System entworfen, dessen Konstanten in zwei versetzt angeordneten, gepolsterten Stellwänden bestehen.

Der entstehende Zwischenraum schafft Volumen, die Außenflächen können von beiden Seiten individuell konfiguriert werden. Entstehen sollen wohnliche Inseln, die Transparenz beibehalten und Sichtbarrieren vermeiden.

Sitzbank als Brücke zur Kommunikation

Bänke sind kommunikationsfördernde Möbel von Hause aus. Allein stehend oder gruppiert um einen Tisch bilden sie einladende Zonen, die wechselweise besetzt werden. Die im COR Lab neu entwickelte Bank Bridge (engl. Brücke) dient all diesen Funktionen und kommt in einer überraschenden Formensprache zum Tragen. „Wer heute mit dem Skateboard oder Rennrad zur Arbeit fährt, wird bei den breiten Polsterflächen mit ihren tiefen Einzügen sofort an Tragflächen, vielleicht sogar an eine Luftmatratze denken“, kommentiert Uwe Fischer.

Reiht man einzelne Bänke aneinander, lassen sich Sitz-Seriografien für größere Räume bilden. Die rückenfrei gestaltete Bank erlaubt jeden Perspektivwechsel. Ein stabiler Polsterschaum mit hohem Raumgewicht unterstützt auch längeres, komfortables Sitzen. Als Unterkonstruktion dient ein massives Holzgestell als unsichtbarer Garant für ein langes Möbelleben.

Ein Werktisch für informelle Zonen

Die meisten Informationen würden in zwangloser Runde ausgetauscht, in der Gruppe, beim Essen oder Diskutieren. Bank und Tisch sollen als Werkzeuge solche Interaktionen fördern – an jedem Ort, öffentlich oder privat. Fischers Werktisch für informelle Zonen heißt Level. Ein Tisch ohne große Geste, kein unverrückbares, sondern ein leicht wirkendes, transportables Möbel sollte entstehen.

Mit Level entwickelte Uwe Fischer deshalb einen funktionalen Tisch, bei dem ein Stativ (Unterkonstruktion) mit einer kunstharz- oder pulverbeschichteten Arbeitsplatte kombiniert wird. Mittels eines Schnellspannsystems lassen sich dessen Höhen mühelos um vier Zentimeter nach oben oder unten verstellen. Zudem ermöglichen es einfache Verschraubungen, Tischplatte und -böcke schnell zu trennen, der Tisch steht immer dort, wo er gerade gebraucht wird.