Die für etwa 62 Millionen Deutsche ab 18 Jahren repräsentative Studie, bei der das forsa-Institut gut 3.000 Personen im Rahmen einer Online-Erhebung befragte, liefert nicht nur eine aktuelle Bestandsaufnahme. Sie bietet auch konkrete Einblicke in badbezogene Erwartungen, Meinungen und Wünsche der Verbraucher. Die Analysen machen Überraschungen ebenso aktenkundig wie sie langfristige Tendenzen bestätigen. So lautet das Resümee des Branchen-Dachverbandes, der das Material aufbereitete und jetzt vorstellte.

2017 findet sich in 92 Prozent der Wohnungen ein Badezimmer mit WC (2011: 90 Prozent) und in elf Prozent eines ohne WC (zwölf Prozent). Die Gesamtzahl der Bäder in Deutschland beziffert forsa auf zirka 46,2 Millionen und bezieht sich dabei auf die tatsächlich bewohnten Wohnungen, die das Statistische Bundesamt in einer Zusatzerhebung zum Mikrozensus 2014 mit 36 Millionen errechnete.

Das Durchschnittsbad misst neun Quadratmeter

Außerdem verfügen 46 Prozent der Wohnungen über ein separates WC beziehungsweise eine Gästetoilette. Diese Quote kletterte im Vergleich zu 2011 (40 Prozent) kräftig. Die durchschnittliche Größe des dominierenden Badezimmers mit WC beträgt aktuell 9,1 Quadratmeter Fläche und wuchs damit gegenüber 2006 (7,8 Quadratmeter) moderat.

Im Bad halten sich die Deutschen heute im Mittel täglich 40 Minuten und damit exakt vier Minuten länger als 2006 auf. Männer (35 Minuten) haben es dabei deutlich eiliger als Frauen (47 Minuten). Generell hänge die für Körperpflege und -reinigung aufgewendete Zeit von der Haushaltsgröße ab. Sie schwanke zwischen 47 Minuten bei Ein-Personen-Haushalten und 29 Minuten bei Haushalten mit vier und mehr Personen.

Rushhour im Bad stresst am Morgen

Das statistische deutsche Durchschnittsbad nutzen täglich 2,1 Personen. In 25 Prozent der Haushalte müssen sich drei und mehr Familienmitglieder das Bad teilen – mit den damit oft verbundenen stressigen Begleiterscheinungen. In 32 Prozent der Mehrpersonen-Haushalte kommt es daher den forsa-Recherchen zufolge täglich beziehungsweise ab und zu in der morgendlichen Rushhour zu Engpässen.

59 Prozent davon erklären das mit der Existenz nur eines Badezimmers, während 50 Prozent darauf verweisen, dass alle Bewohner gleichzeitig das Haus verlassen müssen. Für 37 Prozent ist der Wunsch der Haushaltsmitglieder, einzeln ins Bad zu wollen, ein weiterer Staugrund. Zu dessen dauerhafter Beseitigung können nach VDS-Empfehlung gezielte Umbauten oder neue Zweitbäder effizient beitragen.

Zwei Millionen Bäder sind mehr als 30 Jahre alt

Stolze 17,7 Millionen Erstbäder wurden seit dem Bau beziehungsweise Bezug des Hauses noch nicht renoviert. Ihr Durchschnittsalter liegt bei fast zwei Jahrzehnten (19,5 Jahre). Mehr als zwei Millionen Bäder sind sogar seit mehr als 30 Jahren unberührt.

In fast jedem deutschen Bad gibt es der Studie zufolge ein Waschbecken mit Armatur und ein WC (jeweils 98 Prozent) sowie einen Spiegel /  Spiegelschrank (94 Prozent). Dahinter rangieren unter anderem Badmöbel (79 Prozent), Badewanne (76 Prozent) und Handtuchheizkörper (41 Prozent). Bidets (sechs Prozent) und Dusch-WCs (zwei Prozent) müssen sich dagegen (noch) mit einer relativ schwachen Präsenz begnügen.

Bodengleiche Duschen machen Karriere

Als absoluten Aufsteiger identifizierte forsa die bodengleiche Dusche. Danach sind 2017 bereits 17 Prozent der Bäder mit dieser ebenso ästhetischen wie nutzerfreundlichen Lösung ausgestattet. Zum Vergleich: 2011 waren es nur sieben Prozent. Die eindrucksvolle Karriere beruhe nicht zuletzt auf der starken Nachfrage nach altersgerechten, barrierefreien Bädern.

Ihr vorhandenes Bad stufen die Deutschen in erster Linie als zweckmäßig und funktional (94 Prozent), pflegeleicht (84 Prozent) und altersgerecht (52 Prozent) ein. Für 43 Prozent ist es mehr oder weniger auf dem neuesten technischen Stand, während es 27 Prozent als designorientiert betrachten.

Kleines Bad – großes Ärgernis

Mit ihrem jetzigen Bad sind 81 Prozent der Bundesbürger zufrieden. An der Klagemauer stehen die restlichen 19 Prozent, was – gemessen an der Gesamtzahl der Bäder – 8,8 Millionen Einheiten entspricht. Als mit Abstand wichtigsten Frust-Auslöser ermittelte das Institut das zu kleine Bad (85 Prozent).

Weitere Steine des Anstoßes für die Unzufriedenen: die generelle Renovierungsbedürftigkeit (49 Prozent), das nicht altersgerechte Bad (33 Prozent), das Fehlen einer separaten Dusche (25 Prozent) sowie eines Fensters (20 Prozent). Die offenkundigen Defizite lassen sich indes meist überzeugend beheben, trösten die Branchenexperten.

16,7 Millionen Deutsche wollen ihr Bad verändern

Laut Studie planen 16,7 Millionen Deutsche ab 18 Jahren bis 2019 Veränderungen beziehungsweise Anschaffungen im Bad. 6,2 Millionen davon streben eine Komplett- oder Teilrenovierung an, während 10,5 Millionen einzelne Ausstattungsgegenstände austauschen wollen. Zu den Favoriten gehören danach alle Produkte rund um den Waschplatz, eine bodengleiche Dusche (28 Prozent) und der altersgerechte Umbau (20 Prozent).

forsa untersuchte auch, wo sich die Bundesbürger bei seit 2015 angeschafften Badprodukten vorher informierten und wo sie schließlich kauften. Dabei zeigte sich zunächst, dass Baumärkte zwar die am häufigsten genutzten Informationsquellen waren, jedoch nur eine Minderheit die Qualität der dort erhaltenen Informationen positiv bewertete.

Im Gegensatz dazu stiegen die Zufriedenheitsgrade der Käufer bei Sanitär-Fachbetrieben und bei einer Beratung in Bad-Fachausstellungen signifikant auf 75 Prozent beziehungsweise 51 Prozent an. Baumärkte (32 Prozent) und Onlineshops (27 Prozent) kamen danach auf wesentlich geringere Werte.

Fachhandel schlägt Internet

Bei den seit 2015 getätigten Badanschaffungen spielte das Internet als Kaufort in den meisten Produktgruppen nur eine relativ geringe Rolle. Demgegenüber erwarben vier von fünf Deutschen etwa bodengleiche Duschen, Badmöbel, Toiletten, Armaturen, Handtuchheizkörper und Badewannen im stationären Geschäft. Dabei entfielen die Kaufanteile mit Spitzenwerten von fast 90 Prozent überwiegend auf Sanitärfachhandwerker und -händler.

Renovierung und Modernisierung bildeten in den vergangenen drei Jahren per Saldo wieder unangefochten die wichtigsten Anlässe für den Kauf neuer Badprodukte. Der Neubau schaffte es lediglich bei bodengleichen Duschflächen (elf Prozent) in den zweistelligen Sektor. Reparatur- bzw. Ersatzinvestitionen waren zum Beispiel bei Armaturen und vor allem Brausen stark ausgeprägt.

Renovierer wollen kompetent beraten werden

Geht es um eine Komplettrenovierung des Bades, erwarten die Deutschen im Vorfeld in erster Linie eine gute Fachberatung (72 Prozent), Produkte zum Anfassen (56 Prozent) sowie „einen Berater, der zuhört und Bedürfnisse erkennt“ (56 Prozent). Die Kompetenz dafür billigt die Bevölkerung offenbar in hohem Maße dem Sanitär-Fachhandwerk zu, denn es ist für die Befragten mit 80 Prozent die Informationsquelle Nummer 1.

Bei der künftigen Relevanz einzelner Räume im eigenen Zuhause befindet sich das Bad hinter Küche und Wohnzimmer gewissermaßen in Lauerstellung. Nach den forsa-Ermittlungen wird es für 28 Prozent der Deutschen (viel) wichtiger. Interessant sei, dass speziell 18- bis 29-Jährige (34 Prozent) dem Bad eine höhere Bedeutung zubilligen.

Bäder für jede Lebensphase gefragt

Und wie sollen Badezimmer sein? Mit 90 Prozent Zustimmung bei „voll und ganz / eher“ machen die Bundesbürger die bequeme Nutzung in jeder Lebensphase zu ihrem Top-Kriterium. Dem Sieger relativ dicht auf den Fersen sind „praktisch und funktional“ (84 Prozent) und die Eignung zum Entspannen und Wohlfühlen (83 Prozent). Die Ambitionen „qualitativ hochwertig“ (76 Prozent) und „umwelt- und energieschonend“ (72 Prozent) folgen auf das Spitzentrio.

Der erstmals gezielt thematisierte Aspekt gesundheitsfördernd bringt es auf Anhieb auf 41 Prozent, betont die VDS und sieht sich in ihrer vor wenigen Jahren begonnenen Informationsoffensive bestätigt. Am Ende der Skala taucht mit lediglich 15 Prozent (überraschend) der digitale Fortschritt auf. Insgesamt sei auffällig, dass Frauen oft mehr als Männer von ihrem Badezimmer erwarten.

Träume von Tageslicht und großen Wannen

Ihr von Budget- und Platzzwängen unabhängiges Traumbad definieren die Bundesbürger mit zwei Hauptwünschen: Tageslicht und große Badewanne. Auf der reinen Produktseite reicht die Palette ferner von (wandhängenden) WCs mit Besonderheiten über LED-Beleuchtung und Sauna bis (wieder einmal) zur bodengleichen Dusche.

Bei den Lieblingsfarben behauptet Weiß seine seit langem unangefochtene Dominanz. 45 Prozent der Bevölkerung schwören auf den zeitlosen, universell kombinierbaren Basis-Ton. Sie verschaffen ihm damit einen gehörigen Vorsprung vor Beige (elf Prozent), Grau (zehn Prozent) und Blau (acht Prozent). Mit knalligen Farben können die Menschen im Bad daher nach wie vor wenig anfangen.

Altersgerechte Bäder unter der Lupe

Der bereits nach der letzten Studie vor fünf Jahren prognostizierte Renovierungsboom als Konsequenz des demografischen Wandels habe inzwischen eingesetzt und werde weiter anhalten. Die forsa-Erhebung liefere dafür neue Daten und Argumente. Danach sind lediglich 17 Prozent der Bäder derzeit voll und ganz für ältere Menschen bequem nutzbar. Von denjenigen, die über kein altersgerechtes Bad verfügen, gaben elf Prozent an, einen entsprechenden Umbau definitiv oder vielleicht zu planen.

Gesundheitsorientiertes Bad: Die neue Basisuntersuchung bietet nach Meinung der VDS belastbare Indizien dafür, dass das Bad als Gesundbrunnen nach dem altersgerechten und möglichst barrierefreien Bad zum nächsten realen Markttrend avancieren kann. Schon jetzt soll das ideale Bad für 41 Prozent der Bevölkerung gesundheitsfördernd sein. Dieser Wert steigt mit zunehmendem Alter im Übrigen spürbar: bei 65- bis 74-Jährigen auf 51 Prozent und bei über 75-Jährigen auf 60 Prozent.

Smarte Bäder im Hintertreffen

Digitales Bad: Hier dürfte die Erhebung für einige Ernüchterung sorgen. Sowohl bei der grundsätzlichen Badeinstellung als auch beim speziellen Produktkauf outen sich die Bundesbürger aktuell überwiegend als Digitalisierungs-Muffel. Die generell geringe Akzeptanz führt forsa unter anderem auf die bei den Bürgern verbreitete Einschätzung zurück, dass die fortschreitende Digitalisierung aller Lebensbereiche zwar Vorteile hat, aber auch vieles im Alltag erschwert.